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Jazz und Vaudevilles

Hochzeit mit Hindernissen (The Drowsy Chaperone)

Vier Hochzeiten und ein Flugzeug


Die humorvolle Musical-Parodie wurde bereits 1998 in Toronto aufgeführt, bevor sie 2006 an den Broadway kam und dort fünf Tony Awards gewann, unter anderem für das beste Buch (Bob Martin und Don McKellar) und die beste Musik (Lisa Lambert und Greg Morrison). Nach der deutschsprachigen Erstaufführung 2013 in Hof nimmt sich nun das Theater Bielefeld des Stückes an.

(Text: Thorsten Wulf)

Premiere:04.09.2016
Rezensierte Vorstellung:18.09.2016


Bielefeld stellt es marketingtechnisch geschickt an. Die Rolle der Trix, die am Ende das Flugzeug fliegen wird, um die Hochzeitspaare in die Flitterwochen zu fliegen, ist gleich elffach besetzt. Zu fast jeder Vorstellung wird eine andere Dame der jüngeren oder älteren Musical-Geschichte des Theaters mehr oder weniger als Überraschungsgast in die Rolle schlüpfen. Die Premiere sowie die besuchte Vorstellung spielte Roberta Valentini – aber auch Brigitte Oelke, Karin Seyfried, Carina Sandhaus sowie Bettina Meske sind angekündigt. Und auch die weitere Besetzung kann sich sehen lassen: Kerstin Marie Mäkelburg beispielsweise ist die "beschwipste Anstandsdame" (eben die besagte "Drowsy Chaperone" aus dem Titel), Andreas Wolfram der schmierige Latin-Lover Adolpho und Jens Jake spielt George, den besten Freund des Bräutigams Robert.

Eigentlich war "Chaperone" nur als kleiner Hochzeitsspaß gedacht, den sich Freunde des Autors Bob Martin für seinen Ehrentag ausgedacht hatten. Doch war diese kurze Episode schon so gelungen, dass man kurzerhand beschloss, das Stück weiterzuentwickelten, bis daraus eine abendfüllende Show wurde.

Die Handlung hat drei Ebenen – und ja: Ein bisschen muss man aufpassen, in welcher Ebene gerade gespielt wird. Der "Mann im Stuhl" sitzt im heutigen New York in seinem Apartment und entflieht dem tristen Alltag durch das Auflegen seiner Lieblingsschallplatte, einer Aufnahme des (fiktiven) 1920er Musicals "The Drowsy Chaperone". Dessen Figuren erwachen nach und nach zum Leben. Der Mann greift immer wieder die Handlung ein und spricht über die "echten" Darsteller, die auf der Platte zu hören sind, in welchem Verhältnis zu einander standen und ihre Geschichten.

In dem Musical auf der Schallplatte geht es um die geplante Hochzeit des reichen Öl-Magnaten-Sprösslings Robert Martin mit dem Broadway-Starlet Janet van de Graff, die ihre Karriere nach dem Eheversprechen aufgeben will. Die äußerst trinkfreudige Anstandsdame achtet mehr oder weniger aufmerksam darauf, dass sich das Paar vor der Hochzeit nicht sieht. Diverse, äußerst alberne Unwegbarkeiten verhindern die Hochzeit zunächst, bis am Ende gleich vier Paare durch die Kapitänin des Luftschiffes getraut werden.

Die Klammer bildet immer der Mann, der die Schallplatte aufgelegt hat. Manchmal unterbricht er nach einer Szene, manchmal mittendrin. Gegebenenfalls sehen die Zuschauer eine Szene teilweise noch mal, weil der Mann es so will oder weil die Platte hängt. Das ist äußerst amüsant und führt immer wieder zu lustigen Standbildern, die mitten im Satz oder im Gesang entstehen. Nito Torres erfüllt diese Rolle meisterlich, ist er doch stets mit dem Publikum in Kontakt und lässt uns glauben, dass es das Musical im Musical mitsamt seinen immer wieder zitierten Original-Darstellern wirklich gegeben hätte.

Beatrice von Bomhard ist für Bühne und Kostüm verantwortlich. Eigentlich ist das Einheitsbühnenbild das Apartment des Mannes, doch dient es gleichermaßen allen anderen Spielszenen, immer nur leicht abgewandelt durch ein paar Accessoires. Optisch sehr gelungen. Fantasievoll und detailverliebt sind die Kostüme, die den Zuschauer mitten in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts versetzen.

Dazu passend erklingt die Musik unter der bewährten musikalischen Leitung von William Ward Murta, der bereits seit 1984 Musical-Kapellmeister am Theater Bielefeld ist. Murta führt die zehnköpfige "Drowsy"-Band sicher und mit guten Groove durch die jazzigen und swingenden Songs. Auch bei den großen Broadway-Nummern weiß die musikalische Begleitung zu glänzen.

Die Inszenierung von Thomas Winter bedient sich jedes liebenswerten Klischees, das man mit den alten Broadway-Klassikern verbindet.

Kerstin Marie Mäkelburg spielt herrlich dauerbetrunken und gibt den großen Broadwaystar in ihrer Rolle als Anstandsdame. Natürlich will sie immer in der Mitte stehen, natürlich will sie den lautesten Ton singen, natürlich drängt sie ihre Bühnenpartnerin zur Seite. Gero Wendorff spielt den Bräutigam Robert. Er ist hochgewachsen, schlank und hat unglaublich weiße Zähne – und natürlich strahlt er mit allen anderen um die Wette. Seine Verlobte wird gespielt von Maja Sikora, ein blondes Püppchen, die ihren besten Auftritt mit dem "Klagelied der Braut" hat, denn vermeintlich hat der Bräutigam eine andere geküsst.

Dann gibt es da noch Aldolpho, gespielt von Andreas Wolfram, den heißblütige Italiener, der die Eheschließung verhindern soll – denn ansonsten würde ja das Starlet die Show-Welt verlassen, um liebende Ehefrau zu werden. Diese potentielle Tragödie muss abgewendet werden. Der "Darsteller", der den Aldolpho auf der Schallplatte gibt, wartet mit einem unfassbar schlecht gespielten italienischen Akzent auf – und ebenso grottigem Schauspiel. Eine besondere Herausforderung für den "echten" Darsteller, die Andreas Wolfram jedoch wunderbar meistert.

Das Stück ist eine echte Ensemble-Leistung, so dass es sich lohnen würde, über jeden der 13 Hauptdarsteller im gleichen Maße zu berichten. Auf jeden Fall muss noch Jens Janke erwähnt werden, der als Koordinator der Hochzeit voll im Stress ist. Natürlich verzweifelt er, als die Hochzeit zunächst abgesagt wird – und ist am Ende dann überglücklich, als gleich vier Paare heiraten können, obwohl er vergessen hat, einen Pastor zu bestellen. Janke singt, spielt und steppt sich durch seine Auftritte und hat die Lacher und den Applaus immer auf seiner Seite.

Mit Fliegerbrille bekleidet landet dann schließlich Roberta Valentini als Trixi, um mit dem Song "Ein himmlisch-luftiges Ja" die Paare in den Stand der Ehe zu überführen.

Was lernen wir vom "Mann im Stuhl"? Musicals gehen immer gut aus. Hier zumindest stimmt es – und zwei Stunden Spaß und gute Musik gibt es obendrein.

(Text: Thorsten Wulf)






Kreativteam

Musik und GesangstexteLisa Lambert
Greg Morrison
Buch Bob Martin
Don McKellar
Deutsche Texte Roman Hinze
Musikalische LeitungWilliam Ward Murta
Inszenierung Thomas Winter
Bühne und KostümeBeatrice von Bomhard
ChoreografieDominik Büttner
DramaturgieDaniel Westen


Besetzung

Mann im StuhlJens Kipper
Nito Torres
Robert MartinGero Wendorff
Janet Van De GraaffMaja Sikora
The Drowsy ChaperoneKerstin Marie Mäkelburg
Mrs. TottendaleMelanie Kreuter
AldolphoFlorian Hinxlage
Andreas Wolfram
UnderlingLutz Laible
GeorgeJens Janke
KittyMichaela Duhme
Gangster 1Tobias Berroth
Gangster 2Arne David
Mr. FeldziegCarlos H. Rivas
Trix, the AviatrixAbla Alaoui [22.12., 05.02.]
Ulrike Figgener [23.11., 20.01.]
Navina Heyne [29.09., 01.10., 08.10., 15.03.]
Bettina Meske [31.12.]
Brigitte Oelke
Carina Sandhaus [11.09., 06.12., 26.03., 15.04]
Lucy Scherer [24.09., 15.10., 05.11.]
Karin Seyfried
Katharina Solzbacher
Carolin Soyka [28.10.]
Roberta Valentini [04.09., 18.09., 06.10.]
SuperintendentStefan Fietzek
Marvin Meinold



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Nett gemacht, für Freunde alter Broadwaystücke

02.10.2016 - Dies war mein erster Besuch des Stadttheaters Bielefeld. Da ich die Künstler Torres, Mäkelburg, Wolfram aus anderen Produktionen kannte, war ich neugierig. Ihre Leistungen waren auch gut. Allerdings konnte ich mit der Musik wenig anfangen, diese alten Broadwaystücke sind anscheinend nichts für mich. Ich mag mehr die Musik von Andrew Lloyd Webber, Levay-Kunze, Wildhorn, Steinman .... Das Musical wurde gut inszeniert, die Darsteller und das Orchester waren gut. Und das ältere Publikum spendete langanhaltenden Applaus. Ich werde gerne wiederkommen, wenn modernere Stücke gespielt werden.

Lisa09 (12 Bewertungen, ∅ 2.9 Sterne)


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Ausstattung

Der Glanz der jazzig-swingenden 1920er Jahre kehrt als wunderbare Reminiszenz und Parodie ins Theater Bielefeld ein.

23.09.2016

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Sa15.04.19:30 Uhr
Sa20.05.19:30 Uhr


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