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Gesellschaftskomödie

My Fair Lady

Ich hätt getanzt heut' Nacht...


© Martin Kaufhold
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Welcome to the Sixties! Eliza erobert im Grillo Theater ein neues Jahrzehnt, das die verhältnismäßig beschauliche Welt des Originals auf den Kopf stellt.

(Text: Maik Frömmrich)

Premiere:05.12.2015
Rezensierte Vorstellung:05.12.2015


Ein runtergekommener Straßenzug, ein altes Kino, das Filme mit Titeln wie "Pleasures of Aida" und "Faust Uncut" sowie "More XXX Hits" bewirbt, und eine große Reklamewand, auf der die Hauptdarsteller im Filmposter der Musicalverfilmung des Stückes zu sehen sind: Mit diesem Bild wird das Publikum begrüßt und auf eine Neuinterpretation des klassischen Musicals neugierig gemacht.

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Bühnenbildner Maximilian Lindner präsentiert das London der 60er als runtergekommenen Kiez, auf dem eigentlich nur noch die Prostituierten und Junkies zu fehlen scheinen. Dabei arbeitete er äußerst detailliert und versteckt immer wieder kleine Referenzen an die damalige Zeit. So hängt zum Beispiel im Zimmer von Higgins, das durch die Nutzung der Drehbühne sichtbar wird und im klassischen englischen Look eingerichtet ist, ein Bild von Julie Andrews als Mary Poppins. Andrews spielte die Eliza Doolittle am Broadway und wurde aufgrund ihres damaligen geringen Bekanntheitsgrades nicht für die Verfilmung in Betracht gezogen, durfte dafür aber als Mary Poppins Weltberühmtheit erlangen. (Anmerkung: Fälschlicherweise steht im Programmheft, dass Audrey Hepburn in der Verfilmung des Stückes in den Gesangspartien von Andrews synchronisiert wurde, obwohl diese Aufgabe von Marni Nixon übernommen wurde.)

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Die 60er Jahre leben auch in den Kostümentwürfen von Johanna Hlawica auf, die gerade bei den Damen die klassischen Schnitte der Ära einsetzt und auch auf die damalige Frisurenmode zurückgreift. Zeit und Ort der Handlung sind somit klar definiert. Ergänzt wird die visuelle Komponente mit einer schier unendlichen Vielzahl an Projektionen von Heta Multanen, die mal bewegte skurrile B-Movie Poster zeigen, aber auch Szenen wie das Pferderennen in Ascot szenisch unterstützen. Als eine Art Metaebene geben die oft irrealen bis surrealen Projektionen der Handlung weitere Deutungsmöglichkeiten, allerdings werden diese so intensiv eingesetzt, dass sie mitunter von der eigentlichen Handlung ablenken und eher störend wirken. Vieles wirkt nicht unbedingt stimmig und nachvollziehbar, aber passt irgendwie zur Inszenierung von Robert Gerloff, die an ein skurriles B-Movie erinnert.

Seine "Lady" lebt in einer Welt, in der die unterdrückten sexuellen Gefühle ständig kurz vorm Ausbruch sind. In einer Welt, in der die Frauen sich emanzipieren wollen, in der Drogen und Partys die Gesellschaft bestimmen und in der sich das konservative Bürgertum mit den neuen Ansichten der Jugend auseinandersetzen muss. Grundsätzlich ist dieser Ansatz interessant, doch lässt sich über die Umsetzung sicherlich streiten. So werden unter anderem die Hausbediensteten als extrem skurrile Persönlichkeiten dargestellt. Haushälterin Mrs. Pearce (Laura Kiehne) wirkt beispielsweise wie eine hyperaktive, kurz vor dem Ausbruch stehende und sexuelle aufgeladene Dame, die jederzeit über ihren Chef Prof. Higgins herfallen möchte und als Übersprunghandlung ständig ihre Brille auf der Nase hochschiebt.

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Gerloff verzichtet verstärkt auf die 4. Wand zwischen Ensemble und Zuschauern sowie den Musikern, die links vor der Bühne sitzen. Kommandos wie "Musik" von den Darstellern an die Musiker scheinen willkürlich. Exaltiertes Spiel, schroffe, ungewöhnliche Interpretationen und groteske Inszenierungsideen stellen die Frage nach Sinn und Sinnhaftigkeit. Vielleicht ist alles aber auch nur eine Frage des Humors?

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Das Ensemble gibt sich durchweg spielfreudig und fühlt sich in diesem Skurrilitätenkabinett sichtlich wohl. Leider hapert es vermehrt an den gesanglichen Fähigkeiten. Besonders Hauptdarstellerin Anne Schirmacher scheitert an den Ansprüchen der Partitur und versucht sich mit einer Mischung aus Sprechgesang und Brüllen durch den Abend zu retten. Gesanglich schön klingt es selten, zumindest passt es aber zu der robusten, rotzigen Darstellung ihrer Eliza. Sie wirkt wie die Schwester von Carolin Kebekus, denn in Habitus und Sprachduktus scheint sie sich die oft etwas herbe Komikerin als Vorlage für ihre Interpretation genommen zu haben. Schauspielerisch besonders stark sind die Momente im zweiten Akt, in denen sie zwischen Enttäuschung und Emanzipation die Gefühlswelt ihrer Figur auslotet.

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Als Prof. Higgins ist Jan Pröhl äußerst selbstsicher und selbstgefällig, kann aber nach seiner grandiosen Interpretation des Conférencier in Cabaret im letzten Jahr nicht erneut nachhaltig beeindrucken. Sein gelungenes Solo "Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht" stellt das abrupte Finale dar und wird in einem ungewohnten Kontext präsentiert, denn Gerloff krempelt auch das Ende erheblich um.

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Ein Jahr nachdem Eliza Higgins verlassen hat, lungert er auf der Straße rum und möchte als Varieté-Star eine zweite Karriere beginnen. Oberst Pickering (rollendeckend: Sven Seeburg) ist in dieser "Lady" ein Hochstapler, der Higgins am Ende bestiehlt und sich aus dem Staub macht. Elizas Vater erliegt seiner Alkoholsucht und stirbt auf dem Weg zur Hochzeit und Eliza kehrt nicht zu Higgins zurück, sondern gründet mit Freddy Eynsford-Hill (gesanglich äußerst schwach: Philipp Noack) eine eigene Phonetikschule.

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Diese Inszenierung ist anders, eigenwillig, nicht durchweg stimmig und wurde doch zur Premiere vermehrt bejubelt. Ein Grund dafür dürfte die überzeugende Leistung des sechsköpfigen Orchesters sein, das äußerst vielfältig mit zwei Violinen, Klarinette, Tin Whistle, Viola, Gitarre, Violoncello, Klavier und Kontrabass sowie Gesang und kleinen Schauspieleinsprengseln in Erscheinung tritt. So manches Arrangement erinnert mehr an Country oder aber irische Folklore und präsentiert die klassische Partitur in einem neuen Licht. Davon hätte es gerne mehr geben können, vielleicht auch in passenden Popmusik-Arrangements der 60er Jahre.

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Am Ende des Abends fühlt es sich an, als sei man Teil eines psychedelischen Drogentrips in B-Movie-Manier gewesen, der befremdliche und trotzdem interessante Aspekte bietet. Folgendermaßen überrascht es auch nicht mehr, dass zum Schlussapplaus für die Hauptdarstellerin ein Kohlkopf auf die Bühne geworfen wird.

(Text: Maik Frömmrich)






Kreativteam

Inszenierung Robert Gerloff
Musikalische Leitung Hajo Wiesemann
Choreografie Stephan Brauer
Bühne Maximilian Lindner
Kostüme Johanna Hlawica
Videografie Heta Multanen
Dramaturgie Carola Hannusch


Besetzung

Eliza Doolittle Anne Schirmacher
Henry Higgins Jan Pröhl
Oberst Pickering Sven Seeburg
Alfred P. Doolittle Thomas Büchel
Mrs. Higgins, Mrs. Eynsford-Hill Ingrid Domann
Freddy Eynsford-Hill Philipp Noack
Mrs. Pearce, Clara Eynsford-Hill u. a. Laura Kiehne
Zoltan Karpathy u. a. Rezo Tschchikwischwili
Jamie u. a. Thomas Meczele
Harry u. a. Stephan Brauer
Butler James u. a. Jan Rogler




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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(mf)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

"My Fair Lady" in den Swinging Sixties: Zwischen sexueller Revolution, Drogen- und Partysucht sowie bürgerlicher Spießigkeit verliert sich die Inszenierung in einer Mixtur aus Farce und Groteske.

06.12.2015

 Termine
Sa25.02.19:30 Uhr
Fr10.03.19:30 Uhr
So26.03.19:00 Uhr
Mo17.04.19:00 Uhr
So23.04.19:00 Uhr


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