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Avenue Q

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© Fotos: Klaus Levebre Rechte: theaterhagen
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Das Theater Hagen bringt das bisher in Deutschland selten gespielte Puppenmusical auf die Bühne und landet damit einen achtbaren Erfolg.

(Text: Maik Frömmrich)

Premiere:05.09.2015
Rezensierte Vorstellung:05.09.2015


Es ist sicherlich unfair, eine freie Stadttheaterinszenierung mit einer millionenschweren Originalproduktion zu vergleichen, jedoch kann sich ein Zuschauer, der mit dem Original vertraut ist, nicht immer davon frei machen. Im Fall von "Avenue Q" in Hagen wird dadurch deutlich, wie stark die Vorlage eigentlich ist, denn das Stück funktioniert auch prächtig, wenn es nicht in allen Bereichen stimmig inszeniert wird.

© Fotos: Klaus Levebre Rechte: theaterhagen
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So leidet der Ton an einer unausgewogenen Abmischung, bei der die Darsteller und die Band nicht immer gleichberechtigt über die Lautsprecher kommen. Manchmal zu dumpf, manchmal zu unklar und unverständlich erklingen die stimmungsvollen Songs von Lopez und Marx. In den hinteren Reihen sei zudem, nach Auskunft weiterer Zuschauer, der Ton etwas zu leise.

© Fotos: Klaus Levebre Rechte: theaterhagen
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Hinzu kommt die Inszenierung von Sascha Wienhausen, die einige neue, nicht unbedingt förderliche Wege einschlägt. Er führt eine Metaebene ein, in der die Puppen zu Beginn und zum Ende auch als Puppen klar bespielt werden. So wird die Figur von Princeton, jugendlich-naiv gespielt von Nicolai Schwab, zu Beginn an einem Seil von der Decke herabgelassen. Schwab führt seine Hand in die Puppe und erweckt sie somit zum Leben. Am Ende werden alle Puppen in zwei Schränke abgelegt und verbleiben dort leblos. Diese Ebene und die damit implizierte Distanz zwischen Spieler und Figur stellt dann auch das größte Manko der Inszenierung dar. Die Puppen verschmelzen fast nie mit ihren Spielern, sondern bleiben immer Beiwerk, quasi der verlängerte Arm der Darsteller. Als Zuschauer bleibt der Fokus auf den Darstellern hinter den Puppen, was einen großen Teil des Charmes nimmt und eigentlich nicht Intention des Stückes sein sollte. Seltsamerweise schauen sich Puppenspieler und Puppe zwischenzeitlich auch an, als wenn es doch zwei Personen wären. Hier hätte man sich besser am Original orientieren und eine bestmögliche Symbiose zwischen Spieler und Puppe forcieren sollen, denn nur so wird diese wirklich lustige Geschichte über Alltagsthemen wie Rassismus, Homosexualität, Liebe, den Lebenssinn usw. zu einem herausragenden Erlebnis. Die Faszination bleibt am größten, wenn die Puppen für den Zuschauer lebendig werden und Emotionen über die Puppe und nicht den Darsteller dahinter transportiert werden. Das gelingt in der Inszenierung von Wienhausen nur bedingt.

© Fotos: Klaus Levebre Rechte: theaterhagen
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Dass zusätzlich der Einführungssong von Princeton "Was fängt man an mit 'nem Abschluss in Englisch" gestrichen wurde, ist schade, denn so schließt sich der Kreis am Ende der Handlung nicht ganz so deutlich, wenn ein neuer Bewohner eine Wohnung in der Avenue Q bezieht.

© Fotos: Klaus Levebre Rechte: theaterhagen
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Auch die Kostüme von Ulrike Reinhard verhindern eine vollständige Symbiose zwischen Spieler und Puppe. Hier sind die puppenspielenden Darsteller nicht in schlichten Grau- und Schwarztönen gekleidet, sondern ähnlich, aber nicht identisch zu ihren Puppen ausgestattet und somit auffälliger gemacht. Wenn man schon diesen Ansatz geht, warum dann nicht hundertprozentig identische Kostüme? Das dazugehörige Bühnenbild, bestehend aus einer tristen Häuserfassade und einem Stahlgestell, das durch Nutzung der Drehbühne als Empire State Building und Häuserinneres zum Vorschein kommt, ist stimmig, auch wenn der ein oder andere Umbau den Fortgang der Handlung ausbremst.

© Fotos: Klaus Levebre Rechte: theaterhagen
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Obwohl das junge Ensemble der Hochschule Osnabrück im Puppenspiel nicht hundertprozentig überzeugt, hinterlässt es insgesamt einen positiven Eindruck. Mit Elan, Spielspaß und guten Stimmen werfen sie sich in ihre Rollen. Herausragend bleibt vor allem Carolina Walker, die Kate Monster äußerst charmant gibt und es zumindest ab und an schafft, hinter ihrer Puppe "zu verschwinden". Ihr Solo "Nur ein schmaler Grat" gibt sie mit einem angenehmen Timbre und stellt den musikalisch-emotionalen Höhepunkt des Abends dar.

© Fotos: Klaus Levebre Rechte: theaterhagen
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Mit Maria Klier, Tillmann Schnieders und Marilyn Bennett erhalten die jungen Musicalstudenten Unterstützung von drei Ensemblemitgliedern der Oper Hagen. Während Klier als kampf- und befehlsfreudige Japanerin Christmas Eve in ihrer resoluten Rollenauslegung begeistert, bleibt Tillmann Schnieders als erfolgloser Comedian Brian passenderweise immer etwas im Hintergrund seiner Ehefrau Christmas Eve. Marilyn Bennett, die Allzweckwaffe des Opernhauses, steht als ehemaliges ABBA-Bandmitglied Agnetha Fältskog - im Original Gary Coleman, in der Mannheimer Version Daniel Küblböck - auf der Bühne. Diesen dramaturgischen Griff kann man nur begrüßen, auch wenn die schwedische Sängerin in der Realität wohl kaum am Hungertuch zerrt und als Hausmeisterin arbeiten muss. Die Wahl von Agnetha für diese von den Rechteinhabern freigegebenen Rolle, die an den jeweiligen Kulturkreis angepasst werden darf, bietet eine wunderbare Gagdichte. Immer wieder werden Songtitel von ABBA angestimmt oder im Kontext der Handlung untergebracht, was zusätzlich für Lacher sorgt. Herrlich, wenn Agnetha zum Handy greift und ihren Freund Fernando anrufen will oder wenn die anderen Bandmitglieder plötzlich auf der Bühne stehen. Bennett gibt die Rolle mit souveräner Spielfreude und legt die Sängerin als Mischung aus frustrierter Diva und herzlicher Freundin an. Stimmlich will ihr klassisches Timbre allerdings nicht immer zu den Songs passen.

© Fotos: Klaus Levebre Rechte: theaterhagen
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Trotz der erwähnten Probleme steht den Besuchern in Hagen einem vergnügten Abend nichts im Wege. Warum? Weil "Avenue Q" auch in dieser Inszenierung ein wunderbares Stück modernes Musiktheater mit Witz, Ideenreichtum und einer gelungenen Partitur ist. Dazu kommen die bezaubernden Originalpuppen von Muppets-Darsteller Rick Lyon, die so treffend die jeweiligen Charaktere einfangen. Vielleicht ist es sogar die beste und innovativste Musicalinszenierung, die Hagen seit Jahren präsentiert hat. Das Premierenpublikum stand innerhalb weniger Sekunden auf den Füßen und feierte die Darsteller und Inszenierung mit minutenlangem Applaus! Für Liebhaber der Originalinszenierung bleibt jedoch ein fader Beigeschmack.

(Text: Maik Frömmrich)






Kreativteam

Musikalische LeitungSteffen Müller-Gabriel
InszenierungSascha Wienhausen
ChoreographieBarbara Tartaglia
Bühne und KostümeUlrike Reinhard
LichtHans-Joachim Köster
VideoLieve Vanderschaeve
DramaturgieMiriam Michel


Besetzung

Agnetha FältskogMarilyn Bennett
Christmas EveMaria Klier
BrianTillmann Schnieders
PrincetonNicolai Schwab
RodKim-David Hammann
Kate MonsterCarolina Walker
LucyJoyce Diedrich
Mariyama Ebel
NickyMichael Thurner
Treckie MonsterMaciej Bittner
Bär I, Ricky, NeuankömmlingVicco Farah
Frau SemmelmöseStephanie Junge
Bär IICarolin Waltsgott
Box, Nicky II, Treckie IIMariyama Ebel




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Klaus Lefebvre
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© Fotos: Klaus Levebre Rechte: theaterhagen
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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Mängel in den Bereichen Ton, Darstellung und Inszenierung verhindern nicht, dass "Avenue Q" in Hagen einfach Spaß macht! Ein Besuch lohnt sich für all diejenigen, die die Originalinszenierung nicht gesehen haben.

06.09.2015

 Termine
Fr31.03.19:30 Uhr
Sa22.04.19:30 Uhr


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