Miles & More (2004 - 2009)
Staatstheater, Hannover

Das wirkliche Leben findet bei Franz Wittenbrinks Revuen stets auf engem Raum statt – zum Beispiel im Flugzeug.

Franz Wittenbrink macht Theater aus Liedern. Seine Abende mit singenden Schauspielern sind Kult in Hamburg und Berlin, Basel und München, Salzburg und Mannheim. Er ist in der Klassik und im Pop gleichermaßen zu Hause und geht mit Musik nie so um, wie man es erwarten würde. Ein schräges Arrangement, ein umgedichteter Text, ein abwegiges Stilzitat – und aus einem bekannten Lied entsteht musikalische Satire: komisch, bösartig, wehmütig. Das Zentrum seiner Abende sind die Figuren, die er zu den Liedern in Spannung setzt. Sekretärinnen während der Arbeitspause. Männer auf der Fußballtribüne, nach dem Spiel. Putzfrauen, Feuerwehrmänner, Nixen und Mamorstatuen in einem leeren Theater, nachts. Wittenbrinks musikalisches Theater spielt an Orten, wo Menschen, die nichts miteinander zu tun haben, zusammen gesperrt sind und, statt zu reden, anfangen zu singen. Schauplatz seines ersten Abends am schauspielhannover ist ein Flugzeug.
Wir befinden uns im Landeanflug auf Hannover, 52.22N 09.44E. Was wäre, wenn die Triebwerke ausfielen? Welche Ziele bleiben unerreicht, welche Träume ungeträumt, welche Lieben versäumt? An Bord Männer und Frauen unterschiedlichen Alters. Es gibt Leute, die fliegen leidenschaftlich gern, und Leute, die nie glauben werden, dass ein Haufen Metall durch die Luft schweben kann, auch wenn sie selber drin sitzen. Manche steigen in ein Flugzeug wie in die Straßenbahn und fliegen zur Arbeit, für manche beginnt schon beim Check-in die Reise zum Mond. Alles, was im richtigen Leben passiert, passiert auch im Flugzeug. Nur auf viel engerem Raum und in dem ständigen Bewusstsein, dass anhalten und mal eben Luft schnappen nicht möglich ist. Das Herüberreichen eines Essenstabletts bei Turbulenzen wird zum Debakel; der Gang auf’s Klo zum existentiellen Problem, wenn zehn Passagiere gleichzeitig darauf warten, dass das rote Licht über dem WC erlischt. Jede alltägliche Verrichtung wird zum komplizierten Vorgang, der andere in Mitleidenschaft zieht: Aufstehen, um doch noch an’s Handgepäck zu kommen, die Zeitung entfalten, ohne den Nachbarn zu rammen, den Sitz kippen, während der Hintermann seinen Becher nachfüllt. Man sitzt neben jemanden, den man nicht kennt und in der Regel auch nicht kennenlernen will. Man kann nicht wirklich etwas tun. Die Zeit schleicht. Zwischen Start und Landung hängt man – buchstäblich – in der Luft.
Franz Wittenbrink, Theaterkomponist und Dirigent, arbeitete für die Bühnen in Stuttgart, Basel und Mannheim, zuletzt war er musikalischer Leiter am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Für den Regisseur Herbert Wernicke bearbeitete er die “Fledermaus” und den “Zigeunerbaron”, für Frank Castorf noch einmal die “Fledermaus” sowie Brechts “Herr Puntila und sein Knecht Matti”. Seine eigenen musikalischen Abende heissen “Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus”, “Mondsüchtig”, “Sekretärinnen”, “Komm süßer Tod…”, “Männer”, “Nachtschicht”. Im vergangenen Jahr produzierte er für die Salzburger Festspiele “Denn alle Lust will Ewigkeit”, im April 2000 “Pompes funèbres” am Wiener Burgtheater.
Musikalische Leitung und Regie:

Franz Wittenbrink

Mitarbeit: Lukas Langhoff
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Anke Grot

Mit: Ernst-Erich Buder, Caroline Ebner, Bernd Geiling, Bernd Grawert, Franziska Henschel, Benjamin Höppner, Dieter Hufschmidt, Marion Martienzen, Angela Müthel. Am Flügel: Franz Wittenbrink/Burghard Niggemeier. Gitarre: Tilmann Denecke/ Lothar Müller. Schlagzeug: Axel Dürkop.

 
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TERMINE (HISTORY)
Sa, 20.03.2004 20:00Schauspielhaus, Hannover
So, 25.04.2004 20:00Schauspielhaus, Hannover
Mi, 26.05.2004 19:30Schauspielhaus, Hannover
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